OSINT-Recher­che: Was öffent­li­che Quel­len wirk­lich ver­ra­ten – und was nicht

Öffent­lich auf­find­bar heißt nicht auto­ma­tisch zuver­läs­sig oder frei nutz­bar. So funk­tio­niert pro­fes­sio­nel­le OSINT-Recherche.


Open Source Intel­li­gence, kurz OSINT, bezeich­net die sys­te­ma­ti­sche Aus­wer­tung öffent­lich zugäng­li­cher Infor­ma­tio­nen. Dazu zäh­len Fir­men­re­gis­ter, Pres­se­ar­chi­ve, Kar­ten, Web­sei­ten, Ver­öf­fent­li­chun­gen von Behör­den und öffent­lich sicht­ba­re Pro­fi­le. Die Stär­ke liegt nicht in einem ein­zel­nen Tref­fer, son­dern in der nach­voll­zieh­ba­ren Ver­bin­dung meh­re­rer unab­hän­gi­ger Quellen.

Eine gute Recher­che beginnt mit einer Hypothese

Statt wahl­los Namen zu suchen, wird zunächst fest­ge­legt, wel­che Fra­ge beant­wor­tet wer­den soll. Gehö­ren zwei Unter­neh­men wirt­schaft­lich zusam­men? Ist ein Pro­fil tat­säch­lich einer bestimm­ten Per­son zuzu­ord­nen? War eine Infor­ma­ti­on zu einem rele­van­ten Zeit­punkt öffent­lich? Die­se Fra­gen bestim­men Such­be­grif­fe, Quel­len und Dokumentation.

Iden­ti­tä­ten sau­ber abgleichen

Glei­che Namen füh­ren schnell zu Fehl­zu­ord­nun­gen. Belast­bar wird ein Tref­fer erst durch meh­re­re pas­sen­de Merk­ma­le, etwa Ort, beruf­li­che Sta­ti­on, Fir­men­be­zug, Domain oder zeit­li­che Über­schnei­dung. Gesichts­er­ken­nung oder Daten­bro­ker-Ergeb­nis­se dür­fen nicht unkri­tisch als Wahr­heit behan­delt werden.

Quel­len sichern und bewerten

  • URL, Abruf­da­tum und Uhr­zeit festhalten
  • Screen­shot und, wenn zuläs­sig, Archiv­ko­pie anfertigen
  • Pri­mär­quel­le von Wie­der­ho­lun­gen unterscheiden
  • mög­li­che Mani­pu­la­ti­on und ver­al­te­te Daten markieren
  • Schluss­fol­ge­run­gen getrennt von Fak­ten dokumentieren

Recht­li­che und ethi­sche Grenzen

Öffent­li­che Sicht­bar­keit hebt Daten­schutz, Urhe­ber­recht oder Per­sön­lich­keits­rech­te nicht auf. Geschlos­se­ne Grup­pen, frem­de Accounts, gekauf­te Zugangs­da­ten und Social Engi­nee­ring sind kei­ne „öffent­li­chen Quel­len”. Die Recher­che muss zweck­ge­bun­den und ver­hält­nis­mä­ßig bleiben.

Wo OSINT beson­ders nütz­lich ist

Bei Fir­men­ver­flech­tun­gen, Ver­miss­ten­su­chen, Mar­ken­miss­brauch, Fake-Pro­fi­len oder der Vor­be­rei­tung wei­te­rer Ermitt­lun­gen kann OSINT schnell Ori­en­tie­rung schaf­fen. Es ersetzt jedoch weder eine Vor-Ort-Prü­fung noch amt­li­che Aus­künf­te. Ent­schei­dend ist, offen zu benen­nen, was belegt ist und was nur eine Arbeits­hy­po­the­se bleibt.